Unzufriedene Ustermer Schrebergärtner

Diese «Schissi» sorgt für dicke Luft

Für mehrere hunderttausend Franken hat die Stadt Uster die Schrebergartenanlage Winikerwiesen mit einer neuen Toilette ausgestattet. Von gelöster Stimmung im Garten kann aber keine Rede sein – im Gegenteil.

 

Benjamin
Rothschild

Mittwoch, 26. Februar 2020, 07:12 Uhr

Eigentlich könnte man von einem Happy End in der grünen Idylle sprechen: Denn die neue Toilette, die sich die Schrebergärtner der Anlage Winikerwiesen herbeigesehnt hatten, sie steht endlich. Sie verfügt nicht nur über einen Kanalisationsanschluss, sondern neu auch über ein Pissoir sowie eine zusätzliche Damen- und Behindertentoilette.

 

Vor gut drei Jahren hatte die WC-Frage im Garten für Stunk gesorgt. Einen Kanalisationsanschluss gab es damals  noch nicht, ein Teil der Notdurft versickerte im Erdreich. Zwar betonten die Schrebergärtner, auch Pünteler genannt, stets, dass die «hygienischen Zustände zu keinem Zeitpunkt zu wünschen übrig liessen». Gerade im Sommer, wenn sich rund 250 Personen auf der Anlage tummelten, war die die Situation mit nur einer Toilette (für beide Geschlechter und ohne Pissoir) aber prekär.

Das Thema beschäftigte in der Folge die Ustermer Politik. Im Gemeinderat wurde das Traktandum im Juni 2019 informell unter dem Titel «Das Geschäft über das grosse Geschäft» besprochen. Die hohen Kosten von knapp 400'000 Franken für ein neues WC mit Kanalisationsanschluss hatten in den Kommissionen zu reden gegeben.  Das Parlament hiess das Projekt dann aber ohne Gegenstimme gut.

 

Beschäftigte die Politik: Die alte Toilette im Schrebergarten ohne Kanalisationsanschluss.

 

Nun ist es mehr oder weniger fertig gebaut. Doch von einem Happy End kann keine Rede sein. Und von einer Idylle im Grünen schon gar nicht.

 

«Das ist unfair»

Stein des Anstosses ist eine Mitteilung der Stadt vom November: Der Pachtzins für die einzelnen Pächter von aktuell 50 Rappen pro Quadratmeter soll per 1. Januar 2021 verdoppelt werden. Diese Neuerung gilt für alle vier Schrebergärten in Uster, die der Stadt gehören.

«Das ist unfair», sagt Waldburga Meier, die Vizepräsidentin des Püntenvereins Winikerwiesen. In den letzten Jahrzehnten hätten die Pünteler zahlreiche Arbeiten in Fronarbeit ausgeführt, ohne von der Stadt einen Franken zu verlangen. Die Toilette sei seit langer Zeit die einzige Investition, die die Stadt für die Anlage getätigt habe.  Und nun werde diese über eine Erhöhung der Zinsen quasi zurückgefordert.

Vor rund 20 Jahren habe die Stadt den Schrebergarten Müliholz für eine Million Franken «aus dem Boden gestampft». «Eine Erhöhung des Pachtzinses gab es damals aber nicht.»

 

«Die Arbeiten sind noch nicht einmal ganz fertig
und schon erhöht man die Zinsen.»


Waldburga Meier, Vizepräsidentin Püntenverein Winikerwiesen

 

Die Winikerwiesen-Pünteler sprechen von einer Ungleichbehandlung, auch im Vergleich zu Bauern, die für den Quadratmeter «massiv weniger» bezahlen würden.

Hinzu komme: «Die Arbeiten an unserer Infrastruktur sind noch nicht einmal ganz fertig und schon erhöht man die Zinsen», empört sich Meier. Ihr Pünteler-Kollege meint, dass die Stadt bei den Schrebergärten jeden Franken umkehre. «Während man für die Kultur jeweils hohe Beträge ausgibt.»

 

Der nächste Schock

Kurz nachdem der Zinsaufschlag den Schrebergärtnern im letzten November mitgeteilt wurde, folgte für sie die nächste Hiobsbotschaft: Die Stadt kündete an, in diesem Frühling alle Gartenhäuschen auf die Einhaltung der erlaubten Grösse zu kontrollieren. Wird diese verletzt, müssen die Häuser zurückgebaut werden.

 

Die Püntenanlage Winikerwiesen ist die grösste ihrer Art in Uster.
 

«Das sind zum Teil Jahrzehnte alte Vorrichtungen, die man nicht einfach so zurückbauen kann», sagt Meier. «Ein Drittel aller Pünteler wäre betroffen.»

Aufgeheizte Stimmung

Die Sorgen der Schrebergärtner prägten auch die letzte Generalversammlung von Mitte Februar. An dieser war die Zinserhöhung ebenso Thema wie die Rückbaupflicht. Anwesend war auch der zuständige Vertreter der Stadt, der von den Püntelern «regelrecht gelöchert» wurde, wie Meier sagt.

Die Stimmung sei aufgeheizt gewesen. «Mehrfach ging ein Raunen durch den Raum», so Meier. Grund: Der städtische Vertreter habe die Pächter «nicht ernst genommen».

Stadtrat widerspricht

Stadtrat Cla Famos (FDP), als Finanzvorstand für die Ustermer Liegenschaften und damit auch die Schrebergärten zuständig, rechtfertigt sowohl die Zinserhöhung als auch die Kontrolle der Gartenhäuschen.

 

«Die Zinserhöhung ist nicht mit einer
Rückforderung gleichzusetzen.»


Cla Famos (FDP), Ustermer Stadtrat

Zwar treffe es zu, dass die Ausgaben für die neue Toilette den Anstoss zur Erhöhung gegeben hätten. Famos betont aber, dass es sich beim Baukredit nicht um ein Darlehen handle. «Die Zinserhöhung ist nicht mit einer Rückforderung gleichzusetzen. Das zeigt sich ja auch daran, dass sie für alle Schrebergärten gilt.»

Den Ungleichbehandlungsvorwurf lässt Famos nicht gelten. Der Stadt sei es eben genau um Gleichbehandlung gegangen – unter den Ustermer Püntelern, aber auch im Verhältnis zwischen Schrebergärtnern und anderen Pächtern. «Diese müssen ebenfalls einen Franken pro Quadratmeter bezahlen, wenn sie ein Baurecht haben.» Und: «Als der Schrebergarten Müliholz damals fertig war, wurden die Pachtzinse sehr wohl neu gestaltet.»

 

«Regeln sind Regeln»

Was die Einhaltung der erlaubten Grössen für die Gartenhäuschen betrifft, so sei dafür die Abteilung Bau zuständig. Famos sagt aber: «Regeln sind Regeln und diese sind einzuhalten.»

Die Stadt wolle die Schrebergärtner nicht gängeln, sondern erachte deren Arbeit und Selbstorganisation als «gute Sache». Der Finanzvorstand glaubt, dass die Pünteler das Vorgehen der Stadt nach anfänglichem Murren nachvollziehen können. Vielleicht wird auch das verbesserte Lebensgefühl auf der neuen Toilette einen Beitrag zur Entspannung leisten.

In einer früheren Version dieses Artikels war an einer Stelle fälschlicherweise die Rede von knapp vier Millionen Franken, die die Toiletten gekostet hätten. Diese Information ist falsch. Korrekt ist der an einer anderen Stelle aufgeführte Betrag von knapp 400'000 Franken (konkret waren es 370'000 Franken).

 

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